Ein Microsoftmanager erklärt Vista

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    Ein Microsoftmanager erklärt Vista


    Zum Windows-Vista-Start erzählt Sven Hallauer, verantwortlich für die Fertigstellung des Betriebssystems bei Microsoft, wie es entstanden ist.

    Microsoft hat mit der Auslieferung seines neuen Betriebssystems Vista an Unternehmen begonnen. Vista, das zeitgleich mit dem neuen Bürosoftware-Paket Office 2007 auf den Markt kommt, löst nach mehr als fünf Jahren Windows XP ab. Verbraucher werden Vista allerdings erst Ende Januar kaufen können.

    Sven Hallauer (34) ist als Director Program Management des Windows-LifeCycle-Teams bei Microsoft für die Fertigstellung von Vista verantwortlich.

    FOCUS Online: Sie hatten in letzter Zeit ja bestimmt einiges zu tun ...

    Hallauer: Ja, in den vergangenen Wochen liefen die letzten Testzyklen für Windows Vista. Wir haben ungefähr 2000 Tester, die hauptsächlich damit beschäftigt sind, Testszenarien durchzuspielen. Dabei geht es entweder um bestimmte Features oder aber um Stresstests, bei denen jede Menge Funktionen auf einer Maschine gestartet werden, über bis zu 96 Stunden, um dann zu sehen, wann das System zusammenbricht. Die Ergebnisse diskutieren wir in verschiedenen Gruppen, um dann festzulegen, welche Schwachstellen wir beseitigen müssen – und was anschließend neu zu testen ist. Wenn man den Programmcode an einer bestimmten Stelle ändert, können ja auch andere Bereiche des Betriebssystems betroffen sein.

    FOCUS Online: Welche Möglichkeiten haben Sie dann noch einzugreifen?

    Hallauer: Eigentlich jede Menge, das Produkt ist erst fertig, wenn wir sagen, wir haben den RTM-Status erreicht, also „release to manufacturing“. Davor können wir immer noch Änderungen einführen. Die Schwelle dafür wird natürlich immer höher, je näher wir der Fertigstellung kommen. Man wird natürlich nie „fertig“, es gibt kein perfektes Softwaresystem, das mehr als drei, vier Zeilen Code enthält. Bei einem so großen Projekt wie Windows Vista mit fast 2500 Entwicklern muss man bei Änderungen sehr genau hinsehen: Was wird geändert – und bringt das dem Kunden überhaupt etwas?

    FOCUS Online: Seit heute liefern Sie Vista an Firmenkunden aus. War der Testprozess speziell darauf ausgerichtet?

    Hallauer: Nein. Wir haben beide Versionen zur gleichen Zeit fertiggestellt. Alle Vista-Varianten sind heute schon für Entwickler verfügbar. Die müssen ja auch die Endanwender-Versionen sehen, damit sie wissen, dass ihre Programme damit auch funktionieren, rechtzeitig für den Start am 30. Januar.

    FOCUS Online: Wird es dann Unterschiede zwischen den Versionen von heute und vom 30. Januar geben?

    Hallauer: Nein, der Code ist derselbe. Es wird aber eine ganze Menge zusätzlicher Gerätetreiber geben. Da arbeiten wir mit den Drittherstellern sehr eng zusammen. Besonders kleinere Hardware-
    Hersteller haben nicht die Ressourcen, für jede Vorabversion eigens Treiber zu programmieren, die warten dann auf den RTM-Status. Deshalb ist die Zeitdifferenz zwischen heute und dem Endanwender-Launch am 30. Januar sehr gut.

    FOCUS Online: Wie sieht der Testprozess aus? Sitzen die 2000 Tester da in riesengroßen Zelten?

    Hallauer: Bei Windows XP haben wir fast alles noch manuell getestet. Da saßen die Tester vor fünf oder zehn PCs und haben gewisse Abläufe immer wieder manuell ausprobiert. Bei Vista haben wir viel Zeit und Geld in ein mitwachsendes, automatisiertes Testsystem investiert. Diese Testfälle laufen in riesigen Datencentern auf unserem Campus in Redmond ab, mit allen möglichen Hardwarekombinationen, PCs, Laptops, Tablets ... da werden die Testfälle einfach aufgespielt. Die Testingenieure brauchen wir dazu, in Zusammenarbeit mit den Programmierern diese Tests zu entwerfen und zu überwachen. Und wenn etwas nicht funktioniert, müssen sie prüfen, woran es liegt: am Produkt, an der Hardware oder auch am Testfall.


    FOCUS Online: Wenn dann am 30. Januar die Endanwenderversion kommt, haben Sie arbeitsfrei?

    Hallauer: Meine Rolle war eigentlich hauptsächlich abgeschlossen, als wir den RTM-Status erreicht haben. Es kommen allerdings immer noch weitere Sprachversionen heraus. Vista wird es in 36 voll lokalisierten Sprachen geben, 20 davon am 30. Januar. Zusätzlich werden wir noch 63 Lipp-Languages haben, das sind halb lokalisierte Versionen, wo man weniger verbreitete Sprachen aufs System laden kann.

    FOCUS Online: Welche Features lassen sich denn besonders schwer testen?

    Hallauer: Hauptsächlich solche, die mit der Zusammenarbeit mehrerer PCs zu tun haben oder die spezielle Hardware brauchen, etwa Mediacenter. Ohne TV-Tuner ist das natürlich schwer zu testen. Wegen der verschiedenen TV-Normen müssen wir solche Tests dezentralisieren.

    FOCUS Online: Was ist denn Ihr persönliches Lieblingsfeature in Vista?

    Hallauer: Das ist eine gute Frage. Mein Lieblingsfeature ist Windows Vista Ultimate, weil es alles hat. Ich habe das Projekt für 2,5 Jahre geleitet, wir haben, glaube ich, 2800 Features in dem Produkt. Die Idee hinter Ultimate ist, eine Version von Vista zu haben, die einfach alles enthält, ob nun als Mediacenter, im Unternehmen, auf dem Tablet-PC. Das ist für mich die beste Idee überhaupt. Ich will mit meinem Heim-PC ins Firmennetz von Microsoft, habe aber auch eine TV-Tunerkarte darin, um fernzusehen. Wir haben aber auch unglaublich viel Arbeit in die Suche gesteckt. Es gibt Daten von, ich glaube, Gartner, die sagen, dass der normale Business-User drei Stunden pro Woche damit verbringt, Daten zu finden und zusätzliche drei Stunden damit, Daten neu zu erstellen, die es schon gibt, die er nur nicht gefunden hat. Da schätzungsweise 80 Prozent aller Daten weltweit auf PCs verteilt sind, ist Suche ebenso wichtig.

    FOCUS Online: Ist Vista so geworden, wie Sie sich das vorgestellt haben, als sie vor 2,5 Jahren mit dem Projekt begonnen haben?

    Hallauer: Ja, die Qualität ist definitiv da, wo wir hinwollten. Wir haben fast alle erhofften Features bekommen und einige dazu, die unsere Kunden angeregt haben.

    FOCUS Online: Welchen Einfluss hatten Sie darauf, welche Richtung die Entwicklung nimmt?

    Hallauer: Von meiner Seite aus war das immer nur Reaktion. Mit den Visionen hinter Vista habe ich fast nichts zu tun. Aber ich habe viel mit der Qualität der Features zu tun und mit der Entscheidung, ob ein Feature gut genug ist, in die endgültige Vista-Version aufgenommen zu werden.

    FOCUS Online: Können Sie ein Beispiel nennen, welches Feature es aus Qualitätsgründen nicht geschafft hat?

    Hallauer: Ja, da fallen mir einige ein, wir hatten zum Beispiel ein Feature namens „Castle“: Die Idee war, ein Heimnetzwerk zwischen PCs zu erstellen, das ähnliche Möglichkeiten bietet wie ein Firmennetz, eine Domain. Das Feature hat es nicht geschafft, da haben wir den Mund ein bisschen zu voll genommen, um das innerhalb des Releasezyklus fertig zu bekommen.

    FOCUS Online: Und welches Feature kam vor allem auf Kundenanregung hin zustande?

    Hallauer: Auf jeden Fall das neue Netzwerkzentrum, dessen Oberfläche, wie die Anwender mit der Firewall umgehen. Da gab es sehr viel Feedback, und darum hat es sich zur Ursprungs-Version stark verändert.

    FOCUS Online: Gibt es schließlich ein Feature, mit dem sie noch nicht so zufrieden sind?

    Hallauer: Nein, kann ich nicht sagen, Features sind immer interessant, weil man nie hundertprozentig weiß, wie sie von den Kunden genutzt werden. Wir hatten zwar mehr Vorabtester als je zuvor, allein zwei Millionen für Beta2, 2,5 Mlllionen bei der Version RC1, aber man weiß nie, wie diese Features dann genutzt und kombiniert werden. Sicher werden wir dann einige Defekte finden, bei denen wir sagen „He, das hätten wir testen können, daran haben wir nie gedacht, dass jemand so das Produkt benutzt“. Aber das lernt man mit der Zeit, Software ist immer in einem Entwicklungszyklus, und es wird auch weitere Versionen geben, und aus solchen Problemen entstehen die Ideen dafür.

    Quelle
     
  2. User Advert


    Hi,

    willkommen im Windows Forum!
  3. Chief Seven
    Chief Seven Windows Live SkyDrive User
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    Ein Microsoftmanager erklärt Vista

    Ganz interessantes Interview.
     
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